Meditation 6 Gedenktafeln für die Toten des 1. Weltkriegs

Eine der ersten Veränderungen, die in der neu erbauten Martinskirche von 1912 bereits einige Jahre später vorgenommen wurde, entsprang einem traurigen Anlass.

Es war die Anbringung der Tafeln für die im ersten Weltkrieg Vermissten und Gefallenen. 

Noch heute hängen die beiden Tafeln mit 78 Namen rechts und links vom Chorbogen. Der damaligen Zeit entsprechend tragen sie die Überschrift: "Im Weltkrieg 1914-1918 fielen aus der Gemeinde Mittelstadt für Heimat und Vaterland!"

Manche der Genannten sind vielleicht wirklich aus Überzeugung in den Krieg gezogen, viele sicher auch, weil eine Weigerung damals nicht denkbar war.

Wie dem auch sei! Es sind viele Namen. 

Hinter jedem dieser Namen verbirgt sich eine Geschichte. In vielfältigen Beziehungen standen diese Männer, sie waren Söhne, Enkel, Ehemänner, Väter, Brüder, Onkel. Welches Leid und wie viel Trauer hat die Nachricht ihres Todes bei ihren Angehörigen wohl ausgelöst?

Diese Namenslisten machen traurig, denn sie zeigen wie viel Leben ungelebt blieb, zu früh abbrach. Wie viele Begabungen wurden verschwendet?

Diese Namenslisten dokumentieren den Tod vieler Menschen. Von ihren Einzelschicksalen ist nichts in den Geschichtsbüchern zu lesen, aber in den Familien sind solche Ereignisse prägend über lange Zeit.

Solche Tafeln mahnen hier in Mittelstadt und andernorts. Sie machen deutlich, dass es im Krieg im Grunde immer auf allen Seiten nur Verlierer geben kann. Zerstörung, Leid, Tod und Trauer bleiben und wirken lange nach. Nicht umsonst mahnt Jesus Christus (Mt 26,52) "Wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen." 

Jesus Christus mahnt die Menschen zum Frieden, weil er uns Menschen ein Leben in Fülle wünscht. Als steinerne Zeugnisse von Kriegsleid mahnen diese Gedenktafeln zum Frieden.



© Gerlinde Henrichsmeyer