Kirchenschiff

Betritt man die Martinskirche meint man in den Bauch eines Schiffes zu treten. Der Begriff Kirchenschiff wird hier durch die reiche Verwendung von Holz fast wörtlich. Das Tonnengewölbe mit den Holzkronleuchtern verstärkt diesen ersten Eindruck ebenso wie die umlaufenden Holzpaneele an der Emporenbrüstung. Unwillkürlich denkt man an die zahlreichen biblischen Geschichten, in denen Schiffe eine wichtige Rolle spielen.

Da ist die Arche, der viereckige Kasten, der Noah und die Seinen samt dem Getier vor dem durch eine übermächtige Flut drohenden Untergang rettet und ihnen am Ende einen neuen Anfang erlaubt. Dieses Urbild für Rettung und Sicherheit inmitten von tobenden Naturgewalten um einen herum, predigt das Kirchenschiff der Martinskirche dem Besucher.

Dann ist da natürlich auch die Geschichte von der Stillung des Seesturmes. Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs auf dem See Genezareth, dessen  Fallwinde gefürchtet waren und schläft ruhig im Heck des Schiffes, während seine Jünger, viele erfahrene Fischer, sich mit dem Wind und den Wellen und dem aufkommenden Sturm abkämpfen und in Angst und Not schließlich Jesus wecken und um Hilfe bitten. 

Jesus beruhigt die Natur durch ein Wort und ermuntert die Jünger doch mehr auf ihn und Gottes Kraft zu trauen, inmitten der Stürme dieses Lebens. Auch von dieser Geschichte predigt der Kirchenraum.

Der Besucher wird aufgenommen und fühlt sich inmitten des Schiffes durch das viele Holz, das dem Raum ein warmes Gepräge gibt, sicher und aufgehoben und kann mit dem Liedvon Martin Gotthard Schneider  von 1963, EG 595, singen:

„Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit.
Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit.
Das Schiff, es fährt vom Sturm bedroht durch Angst, Not und Gefahr,
Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg, so fährt es Jahr um Jahr. 
Und immer wieder fragt man sich: Wird denn das Schiff bestehen?
Erreicht es wohl das große Ziel? Wird es nicht untergehen?
Bleibe bei uns, Herr! Bleibe bei uns, Herr, denn sonst sind wir
allein auf der Fahrt durch das Meer. O bleibe bei uns, Herr!

Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, liegt oft im Hafen fest,
weil sich´s in Sicherheit und Ruh bequemer leben lässt.
Man sonnt sich gern im alten Glanz vergangner Herrlichkeit
und ist doch für den Ruf zur  Ausfahrt nicht bereit.
Doch wer Gefahr und Leiden scheut, erlebt von Gott nicht viel.
Nur wer das Wagnis auf sich nimmt, erreicht das große Ziel.
Bleibe bei uns, Herr! Bleibe bei uns, Herr, denn sonst sind wir
allein auf der Fahrt durch das Meer. O bleibe bei uns, Herr!

Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, muss eine Mannschaft sein, 
sonst ist man auf der weiten Fahrt verloren und allein. 
Ein jeder stehe, wo er steht, und tue seine Pflicht; 
wenn er sein Teil nicht treu erfüllt, gelingt das Ganze nicht. 
Und was die Mannschaft auf dem Schiff ganz fest zusammen schweißt
in Glaube, Hoffnung, Zuversicht, ist Gottes guter Geist.
Bleibe bei uns, Herr! Bleibe bei uns, Herr, denn sonst sind wir
allein auf der Fahrt durch das Meer. O bleibe bei uns, Herr!

Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, fragt man sich hin und her:
Wie finden wir den rechten Kurs zur Fahrt im weiten Meer?
Der rät wohl dies, der andre das, man redet lang und viel
und kommt – kurzsichtig, wie man ist – nur weiter weg vom Ziel.
Doch da, wo man das Laute flieht und lieber horcht und schweigt,
bekommt von Gott man ganz gewiss den rechten Weg gezeigt.
Bleibe bei uns, Herr! Bleibe bei uns, Herr, denn sonst sind wir
allein auf der Fahrt durch das Meer. O bleibe bei uns, Herr!

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit. 
Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit. 
Und wenn uns Einsamkeit bedroht, wenn Angst uns überfällt: 
Viel Freunde sind mit unterwegs auf gleichen Kurs gestellt. 
Das gibt uns wieder neuen Mut, wir sind nicht mehr allein.
So läuft das Schiff nach langer Fahrt in Gottes Hafen ein.
Bleibe bei uns, Herr! Bleibe bei uns, Herr, denn sonst sind wir
allein auf der Fahrt durch das Meer. O bleibe bei uns, Herr!“ 



© Gerlinde Henrichsmeyer