Gesamteindruck


Die Martinskirche in Mittelstadt ist weithin sichtbar auf der Höhe für alle, die vom Neckartal  herkommen. Sie wurde 1912 von Architekt Martin Elsäßer (1884-1957) als Steinkirche geplant und erbaut und ist ein besonderes Kleinod, eine Jugendstildorfkirche. Die Martinskirche steht auf dem Grund der Vorgängerkirche.Spannend ist jedoch, dass man die neue Kirche über das Hauptportal auf der Ostseite betritt. Üblicherweise befindet sich hier der Chor. Architekt Elsässer hat sich anders entschieden und der Kirche eine Westausrichtung gegeben, vermutlich wegen der Lage. Umrundet man die Kirche außen, finden sich drei Steinhauerarbeiten des Bildhauers Daniel Stocker. An der Westseite, zum Neckar hin ist  Johannes der Täufer dargestellt  über einem Rosettenfenster, dessen Mitte ein Steinkreuz bildet. An der  Südostecke des Turmes findet sich St. Martin, seinen Mantel für einen vor ihm knienden Bettler teilend. Er ist der Schutzpatron der Kirche und symbolisiert die tätige Nächstenliebe. Über dem Hauptportal ist ein Pelikan mit seinen Kindern zu sehen. Der Pelikan ist seit alters ein Symbol für Jesus Christus, weil er für seine Kinder bereit ist das eigene Leben hinzugeben, er ritzt sich die Brust auf und nährt seine Kleinen notfalls mit dem eigenen Blut.

So predigt bereits diese bauliche Anordnung, dass von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang  das Leben der Menschen  im Licht der Liebe Jesus Christi steht. Denn unter dem Pelikan hindurchgehend betritt man die Kirche und erblickt dann sofort das Rosettenfenster im Chor das durch ein Stein-Kreuz ohne Korpus in vier Teile gegliedert ist. Das Kreuz  in der Rosette weist auf die Auferstehung Jesu hin und gerade nachmittags um die Todesstunde Jesu wird es in Licht getaucht und predigt gegen die Finsternis des Todes das ewige Leben in der Liebe Jesu Christi. Das florale Muster des in den warmen Farben gelb, braun und orange gehaltenen Glasfensters weist mit seiner Blütenpracht auf die Schönheit des Lebens, die Schöpfung Gottes und das Paradies im neuen Leben nach dem Tod hin.

 

 


Die Gottesdienstbesucher verlassen die Kirche wieder in östlicher Richtung und gehen dort in das aufgehende Licht.



© Gerlinde Henrichsmeyer