Epitaph

Ausschnitt aus dem Epitaph, das Pfarrer Elisäus Gerlach (1672-1704) und seine Frau  Juliana gestiftet haben zum Gedächtnis ihrer 9 verstorbenen Kinder

In 2. Könige 1-18 wird geschildert wie Elia entrückt wird und Elisa seine Nachfolge antritt. Diese Szene ist auf diesem Ausschnitt des Epitaphs dargestellt. 

In der Zeit, aus der das Epitaph stammt, war der Tod für die Menschen eine ständige Bedrohung.  Dass der Gottesmann Elia nicht einfach stirbt, sondern mit einem von feurigen Rossen gezogenen Feuer-Wagen geradewegs in den Himmel gefahren wird,  ist ein Hoffnungsbild für die Menschen. Die Toten sind nicht einfach nicht mehr an unserer Seite, sie sind in Gottes Welt wie Elia. Der Tod ist nur wie eine Reise mit dem Feuerwagen.  Das Ziel ist Gottes ewiges Reich. Der Abschnitt aus dem 2. Buch der Könige schildert anschaulich wie schwer sich Elisa damit tut zu akzeptieren, dass für Elia die Zeit zu sterben gekommen ist. Elisa lässt ihn keine Minute mehr allein, als ob er Elia so bei sich behalten könnte. 

Elia und Elisa wissen, dass sein Leben und sein Auftrag erfüllt sind und "Der Herr will Elia holen" und etliche Prophetenschüler sagen dies auch frank und frei zu Elisa, der es nicht hören will. Elisa möchte sich nicht von Elia trennen und weicht ihm nicht von der Seite. Elia möchte Elisa in Gilgal zurücklassen und geht nach Bethel, dann nach Jericho, dann an den Jordan, immer mit dem Hinweis: Bleib du zurück ich habe einen Auftrag. Jedesmal möchte Elia Elisa zurücklassen, aber der weicht nicht von ihm.

Am Jordan teilt Elia wie einst  Mose mit seinem Mantel das Wasser, ein Zeichen seiner Nähe und Verbundenheit mit der Kraft Gottes und die beiden gehen trockenen Fußes hinüber, während 50 Prophetenjünger von ferne zusehen.

Elisa hat Angst ohne seinen Lehrer, seinen Mentor, zurückzubleiben und Elia spürt es und lässt Elisa eine Bitte äußern bevor er von ihm genommen wird. Elisa bittet um  Anteile von Elias Geist, was nicht allein in Elias Hand steht. Der tröstet ihn damit, dass er zusehen dürfe wie er weggenommen werde und dabei  vielleicht von Gott damit beschenkt wird. Sie gehen miteinander und reden und dann kommt ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, die Elia mitnehmen und Elisa von ihm trennen und Elia fährt im Wetter gen Himmel. Elisa bleibt voller Schrecken und ihm nachschreiend zurück "Mein Vater, mein Vater, du Wagen Israels und sein Gespann!" Wir sehen dies im Rückenbild im Epitaph, wie er hinter Elia her schreit und die Arme nach ihm ausstreckt. Er fasst daraufhin seine Kleider und zerreißt sie in zwei Stücke, Zeichen der Trauer. Dann hebt Elisa Elias Mantel auf, der noch immer die Kraft Elias hat und auch bei Elisa das Wasser teilt; für die Umstehenden und wohl auch für Elisa selbst  ist dies das Zeichen, dass nun Elisa den Geist Elias bzw. Gottes hat und dessen autorisierter Nachfolger ist, trotzdem suchen sie noch drei Tagelang nach Elia bis sie unverrichteter Dinge zurückkehren und die Suche aufgeben und Elias Himmelfahrt anerkennen. Im Epitaph kommen Trennungsschmerz  und Hoffnung auf ein ewiges Leben in Gottes Welt gleichermaßen zum Ausdruck.



© Gerlinde Henrichsmeyer